Zentrale Begriffe
Begriffe sind das Grundgerüst eines jeden Modells. Deshalb lohnt es sich, intensiver darüber zu sprechen. Für ein generisches Kompetenzmodell sind die unten aufgeführten drei Begriffe (vgl. Folie S. 20) wesentlich.
Kompetenz
Kompetenzen sind nicht direkt beobachtbare Konstrukte, die durch die drei Dimensionen Struktur, Niveau und Erfassung beschrieben werden können und durch definierte Handlungsweisen konstituiert werden.
Anmerkungen:
Es gibt in Deutschland mindestens so viele Kompetenzbegriffe wie es Bildungsbegriffe gibt. Teilweise scheint sich die Bildungsdiskussion in die Kompetenzdiskussion zu verlagern. Allein aus diesem Grunde muss für ein generisches Kompetenzmodell davon ausgegangen werden, dass man den Kompetenzbegriff nicht "vorgeben" kann. Ziel ist es vielmehr, eine eher funktionala Begriffsdefinition zu finden, die sowohl eine individuelle Begriffsdefinition zulässt als auch die Transparenz und strukturelle Vergleichbarkeit des jeweiligen Kompetenzmodells ermöglicht.
Genau diesen Anspruch erfüllt diese sehr allgemeine Definition, sie ist ein bisschen nach dem Motto: "Für den Standard ist es egal, welche Kompetenzdefinition Sie verwenden, Hauptsache, Sie beschreiben es auch mit einer Struktur, einem Niveau und einer Erfassungsmöglichkeit sowie zugehörigen Handlungen.
Kompetenzmodellierung
Prozess zur Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Verfahren und Richtlinien für die Erfassung, Messung und Bewertung von (nicht erfassbaren und nicht messbaren) Kompetenzen mit Hilfe von (erfassbaren und messbaren) Verhaltensweisen in der Personalentwicklung.
Anmerkungen:
Der eigentliche Entwicklungs- oder Standardisierungsprozess. Diese Definition soll den Vorgang bzw. das Ergebnis des Standards nochmals abgrenzen von inhaltelichen Kompetenzmodellen, die derzeit verstärkt auch in der Berufsbildung entwickelt werden. Es geht also nicht darum, Inhalte als "Curriculums-Instanz" vorzuschreiben, sondern vielmehr darum, denjenigen, die inhalte definieren, ein Vorgehen bzw. eine Struktur an die Hand zu geben, die eine transparente Struktur des jeweiligen Kompetenzmodells sicherstellt und damit eine "Übertragbarkeit" oder zumindest Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Modellen erleichtert.
Handlung/Verhalten
Handlung/menschliches Verhalten ist die beobachtbare und messbare Aktivität einer einzelnen Person, einer Gruppe oder einer Organisation, die entweder ohne bewusste Zielorientierung (Intention) durchgeführt wird oder die der Erreichung eines bewussten Zieles dient (und dann auch Handlung genannt wird).
Anmerkungen:
Zunächst steckt hier vor allem die Aussage drin: "Nur was man erfassen kann, kann man auch verändern". Wenn also ein Kompetenzmodell standardkonform sein will, muss es Möglichkeiten dokumentieren, wie die jeweiligen Kompetenzen erfasst werden können. Dies hat letztlich einen doppelten Zweck: Zur Objektivieriung des jeweiligen Modells und zur Sicherstellung, dass alle, die damit arbeiten, das Gleiche unter der jweiligen Kompetenz verstehen, muss diese Kompetenz definiert werden - dies geht am besten, durch die Beschreibung von tatsächlicht erfassbaren Handlungen oder Leistungen, also Tätigkeiten als "Atome" eines Kompetenzuniversums.
Zum anderen soll ein Kompetenzmodell ja gerade Aussagen darüber zu lassen, wo ein Individuum, eine Gruppe oder eine Organisation bei der jeweiligen Kompetenz steht. Auch dies geht nur, wenn klare Kriterien vorhanden sind, an denen die jweiligen Kompetenzgrade festgemacht sind. Dies wiederum ist nur durch die klare Beschreibung der jeweiligen Handlungen und deren Erfassungsmöglichkeiten zielführend.