Hybrides Lernen – eine Lösung für das Corona-Dilemma?

Hybrides Lernen und Hybride Lernkonzepte, also die Verknüpfung einer Live-Veranstaltung in Präsenz mit einer Online-Live Veranstaltung ist nicht neu. Im Prinzip gibt es dass seit Jahrzehnten als Live-Shows im Fernsehen. Neu ist, wie einfach sich dieses Format nun realisieren lässt. Hier finden Sie ein paar Punkte für eine gelingende Veranstaltungsplanung.

 

Vor etwa 25 Jahren war ich auf einer Vortrags- / Austauschreise von Washington nach Miami bei einem Zwischenstopp in Waycross/Georgia. Ein kleines und unbekanntes Städtchen etwa 2 Stunden von Atlanta entfernt. Kurt gesagt: Eine Stadt mit strukturellen Problemen und einer besonderen Lösung. Ich hatte mir damals sowohl deren Ärztezentrum mit Telemedizin (So nannte man damals Online-Diagnosen) als auch deren Klassenzimmer mit Video-Konferenz Anbindung angesehen. Vor allem die Art des Unterrichts faszinierte mich.

Aufgrund des Lehrermangels unterrichtete ein Lehrer parallel mehrere Klassen in regional verteilten Colleges. Mal mit eigener Klasse im Klassenzimmer – mal alleine.

Diese Art des hybriden Unterrichts – Also Live in Präsenz und auch Remote faszinierte mich bereits damals. Ich hatte wenige Jahre später die Möglichkeit, in einem ähnlichen Szenario Online-Trainer auszubilden. Einige Teilnehmer waren Live vor Ort im Trainingsraum, weitere 300 Teilnehmer waren zu Hause und per Satelliten-Videokonferenz zugeschalten. Ich selbst war der Regiseur, Aufnahmeleiter, Kameramann und Showmaster meiner eigenen Trainings-Show. Mit 3 Kameras und ca. 10 unterschiedlichen Kameraeinstellungen. 

Im hybriden Lernmodell nehmen einige Studenten persönlich teil, während andere per Fernzugriff dabei sind. 

Im Unterschied zu “Blended Learning”, das letztlich nur einen Medien-Mix bedeutet (also Abwechslung zwischen Präsenz-, Online und anderen Formaten) geht es hier um eine Art des Live-Trainings, bei dem gleichzeitig Präsenz- und Onlinetraining stattfindent.

Im Prinzip können allle Lerner an einem Tag persönlich und am nächsten Tag online teilnehmen und im Idealfall dennoch das gleiche Ergebnis erzielen.

Dies ist aus Trainersicht natürlich eine interessante Herausforderung . Im Grunde genommen erfordert das hybride Lernen, dass die Trainierenden den Stoff auf zwei verschiedene Arten gleichzeitig vermitteln.

Sie müssen gleichzeitig eine Beziehung zu den Lernenden innerhalb und außerhalb des physischen Trainingsraums herstellen. Darüber hinaus entscheiden sich die Lernenden, wenn sie die Wahl haben, nicht immer für den Modus, der ihrem Lernen Priorität einräumt. Es ist zum Beispiel nicht schwer, sich einen Lernende vorzustellen, die sich dafür entscheidet, auszuschlafen oder ihre Alltagsarbeit zu verrichten und später zu lernen, weil sie wissen, dass das Training aufgezeichnet wird. Das Ziel sollte also sein, sowohl die Präsenz- als auch die Fernlehre so hochwertig wie möglich zu gestalten. Und immer im Blick zu behalten: Das Format muss 

  • Live und Zeitversetzt funktionieren
  • Für Präsenz und für Online ausgerichtet sein
  • Das Ziel im Auge behalten

 

4 Schritte zum Entwerfen eines Hybrid-Lernkurses

 Ziel definieren als Leistungsversprechen

Die Grundlage eines jeden Kursentwurfs sollte – wie in jedem Didaktischen Setting – klare Lernzielen in sinnvoller Reihenfolge sein. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein effektives Training erstellen wollen, sollten Sie Ihre Lernziele auch von den Unternehmenszielen und den ermittelten Bedarfen ableiten:

  • Was wollen Sie, dass Ihre Mitarbeiter erreichen?
  • Was müssen sie lernen, um es zu erreichen?
  • Welche Verhaltensweisen sollen sie entwickeln, um in ihrer Rolle erfolgreich zu sein?
  • In welchen Bereichen entspricht ihre Leistung nicht den Erwartungen?
  • Wie können Sie den Erfolg – in der realen Arbeit – messen?

Meiner Erfahrung nach ist dies der wichtigste Schritt – und gleichzeitig der am meisten vernachlässigte. Den hier kann die “Motivation” für das Lernen abgeleitet und begründet werden. Überlegen Sie sich: Welche Maßnahme würde Sie eher besuchen:

  • Die Grundlagen des abschlusszentrierten Vertriebs
  • in 4 Wochen bis zu 10% mehr Einkommen!

Die Entscheidung ist eindeutig, oder? Der Unterschied ist: Das zweite ist ein Leistungsversprechen – messbar für jeden Teilnehmer. Wenn mich das Ziel interessiert, ist es egal, wie der Inhalt aufbereitet ist.

Ziele funktionieren auch anders herum:

  •  Jährliche Compliance Pflichtunterweisung
  • Sicher ist sicher – So machen Sie sich nicht strafbar!

Ein Ziel ist niemals nur ein Lehrziel – es ist immer auch ein persönliches Handlungsziel der Teilnehmer – es beantwortet die Frage: Warum soll ich meine Zeit und meine Aufmerksamkeit investieren? Was bekomme ich für meinen Aufwand.

Kontext überprüfen

Im nächsten Schritt – und das ist eine Besonderheit bei Online- und Hybridveranstaltungen: Definieren Sie den Kontext, in dem die Lerner lernen. Es ist ein Unterschied, ob die Teilnehmer alle vor Ort sind, ob Sie eine 100 GB Leitung oder eben nur ein Modem haben, ob in Verkaufsräumen gelernt wird oder in Trainingsräumen. Definieren Sie den Kontext füt alle Lerner – es beschreibt gleichzeitig die Möglichkeiten und Grenzen Ihres Angebots.

Ausgestaltung des Inhaltsangebots und der Teilziele

Nun geht es um die Ausgestaltung Ihres Angebots – die einzelnen Schritte müssen zu diesem Leistungsverprechen passen.

Jetzt können Sie die praktischen Inhalte zusammenstellen, die Ihren Lernenden helfen, die versprochenen Ziele zu erreichen. Und auch hier gilt: In der Kürze liegt die Würze. Sie müssen nicht beweisen, was Sie können, sie müssen lediglich sicherstellen, dass Ihre Teilnehmerinnen als Ihre Kundinnen die selbstgesteckten und von Ihnen versprochenen Ziele erreichen.

Methodenwahl

Und erst im letzten Schritt der Konzeption steht die Methodenauswahl: Wie können Sie Ihren Teilnehmern in allen Szenarien das Lernern vereinfachen? Denn das – und nur das – ist die Aufgabe der Methodik.

3 Tipps zur effektiven Durchführung von Hybrid-Lernkursen

Sobald Sie über solide grundlegende Ziele, die nötigen Inhalte und die Methodenauswahl verfügen, können Sie damit beginnen, die mit dem hybriden Lernen verbundenen Herausforderungen anzugehen. Die Schwierigkeit, sowohl Präsenz- als auch Fernlernende in die Veranstaltungen einzubeziehen und die Qualität zwischen diesen Modi konsistent zu halten, kann zum Beispiel durch die Anwendung der unten beschriebenen Techniken gelöst werden. Bei den Schritten handelt es sich um Best Practices für Trainerinnen, die in einer hybriden oder Fernlernumgebung navigieren.

Bewusste Kommunikation

Klares Sprechen ist ein grundlegender Bestandteil von Vorlesungen, aber es ist noch wichtiger, wenn Kameras und Mikrofone im Spiel sind. Angenommen, ein Teilnehmer stellt im Unterricht eine Frage, spricht aber zu leise, so dass die anderen Teilnehmer ihn nicht hören können. Als Trainer und Trainerin können Sie allen Teilnehmern helfen, im Fluss der Vorlesung zu bleiben, indem Sie die Frage deutlich wiederholen, bevor Sie antworten. Ein klarer Kommentar hilft den Teilnehmerinnen, sich auf die Vorlesung einzustellen und sich zu konzentrieren, auch wenn sie aus der Ferne teilnehmen.

Umfragen

Fragen regen zum Nachdenken und zum Engagement an, und interaktive Umfragetools, die während der Unterrichtszeit Feedback von den Teilnehmern einholen, können alle zur Teilnahme motivieren. Dies hilft nicht nur den Lernenden, aufmerksam zu sein, sondern auch Ihnen als Trainerinn, ein klares Feedback zu erhalten, wann Sie den Kurs anpassen müssen, und wann ein bestimmtes Thema vertieft oder geklärt werden muss.

Kleingruppendiskussionen

Die weit verbreitete Einführung von zuverlässigen Videokonferenzen hat die Effektivität des hybriden Lernens stark verbessert. Viele Konferenzplattformen unterstützen Breakout-Räume, in denen Kleingruppendiskussionen stattfinden können, die den Diskussionen im Klassenverband in nichts nachstehen. Wenn es die Anzahl der Teilnehmerinnen zulässt, können Sie sogar dafür sorgen, dass zu jeder Fernlerngruppe mindestens eine Teilnehmerin aus dem Präsenzunterricht gehört, um beide Gruppen zusammenzubringen.

Zusammenfassung

Hybride Traininingskonzepte sind eine hervorragende Möglichkeit, den Teilnehmenden mehr Flexibilität zu bieten. Es geht darum, allen die Möglichkeit zu geben, die Inhalte genau dann zu lernen, wenn die Zeit dafür passt. Die Effizienz Ihrer Maßnahmen und vor allem die Zugänglichkeit zu Ihrem Trainingsangebot kann mit Hybriden Konzepten deutlich gesteigert werden. 

Beachten Sie aber auch: Die langwierige Videoaufzeichnung einer Veranstaltung ermüdet die Zuschauer sehr, wenn es nicht mehr Live ist. Ich habe in einem Experiment einen Vergleich gemacht und eines meiner einstündigen Webinare in der Postproduction zusammenschneiden lassen. Vorgabe war: “Kein Blabla – aber alle Inhalte müssen vorhanden sein”. Auf diese Weise wurde naus 70 Minuten Webinar ca. 12 Minuten Videokonserve – und es fehlte nichts. 

Der Rest war damit lediglich Beiwerk, das Live gut funktioniert, in der Konserve aber nicht nötig ist. Damit zeigt sich auch: Die Live-Aufnahmen sollten tatsächlich für die spätere Nutzung als Lern-Konserve nachbearbeitet werden.

Ihre Erfahrungen?

Und auch hier: Die Digitalisierung lebt von unseren Erfahrungen und Erkenntnissen. Hinterlassen SIe doch einen kurzen Kommentar: Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Veranstaltungsform bisher gemacht?

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