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Die Entwicklungen und Innovationen der Moderne verändern unsere Welt – mehr als wir es bisher vermuten. Beginnend bei der Virtualisierung und dem Verschmelzen von Online und Offline, und dem Trend zum “Always On”, der ständigen Erreichbarkeit über Smartphones und Mobile Geräte bis hin zum Internet der Dinge wandelt sich unser Leben und Arbeiten immens. Die Individualisierung der Bedürfnisse und Interessen führen bis hin zur Mass Customization, der individuellen aber automatisierten (Massen-) Anfertigung von speziellen Produkten.

Dies wird – über kurz oder lang – auch einige Grundannahmen der Pädagogik erschüttern. Hier eine (unvollständige) Liste der Grundannahmen, über die ich bereits gestolpert bin.

Klassengröße: Einzelschüler

Das dürfte die größte Herausforderung in den nächsten Jahren werden. So individuell, wie die Bedürfnisse, Motive und Karrieren von Menschen sind, so individuell sind auch die Weiterbildungsbedarfe. Hier mit einer Gruppe von Lernern zu arbeiten passt nicht mehr wirklich zu den Anforderungen der Einzelnen.

Es ist also notwendig, Einzelbedarfe zu erfassen und jeden Menschen individuell und gezielt daraufhin zu entwickeln, zu trainieren, weiterzubilden oder zu coachen.

Klassenzimmer: Die Welt

Mehr noch als der Versuch, virtuelle Klassenräume zu erschaffen wird das Zusammenspiel von Lernraum und Lebenswelt die moderne Pädagogik prägen. Es geht nicht darum, wie ich eine bestehende Klassenraumsituation Online abbilden kann (den Versuch gibt es schon seit den 60ern mit dem Fernunterricht und seit den 70ern mit dem Telekolleg). Es geht darum, dass Lernräume keine Inseln mehr sind. Die Trennung zwischen “der Welt da draußen” und dem gemütlichen Klassenzimmer “da drinnen” existiert nicht mehr. Lernen findet da statt, wo die Kompetenzen und das Wissen benötigt werden. In der betrieblichen Weiterbildung wird dies weit über arbeitsplatznahes Lernen hinausgehen. Es geht auch um Konservierung von Wissen und Kompetenz in Systemen sowie darum, die Spezialisten vor Ort von unnötigem Ballastwissen zu befreien, ihnen aber gleichzeitig aber die notwendigen Kompetenzen direkt vor Ort vermitteln zu können.

Lebenswelt und Lernraum stehen damit im direkten Austausch, wobei die Lebenswelt dominant ist und bestimmt, was zu Lernen ist und was unnötig.

Lernende und Lehrende: Kunden und Dienstleister

Die Idee, dass ein Lehrer als “allwissender Experte” seines Fachgebiets mit seinem Wissenvorsprung und seiner Weisheit unbedarfte Lerner teilhaben lässt an seinem Wissen und seiner Erfahrung ist überholt. Lehrende sind selten Praktiker, sie bringen die erwartete Erfahrung häufig gar nicht mit. Als Wissensvermittler sind sie auch nur sehr selten die Experten, die ein Thema durch Forschung und Entwicklung nach vorne bringen und neu gestalten. Sie sind schlicht Menschen, deren Auftrag es ist, ihren Kunden, den Lernern einen Weg zu zeigen, die Kompetenzen zu erwerben, um die individuellen Ziele zu erreichen und die eigene Arbeit besser machen zu können.

Lerner sind also Praxiserfahrene Spezialisten auf Ihrem Gebiet, Lehrende sind Dienstleister und Lernbegleiter, deren Aufgabe es ist, das Wissen, die Informationen für jeden Kunden so zusammenzustellen und zu vermitteln, dass es verstanden wird und die Umsetzung des Gelernten zuz ermöglichen.

Lehrziel: Umsetzung in der Welt

Damit verändert sich auf das Lehrziel, es kann nicht mehr durch Lehrende vorab festgelegt werden. Lernende bestimmen über Ihren Bedarf, welche Ziele sie erreichen wollen. Der Lernerfolg und damit das Erreichen der Ziele wird durch die Wirkung in der Lebenswelt bestimmt, also die erfolgreiche Umsetzung im Alltag der Lerner. Damit leistet die Weiterbildung auch einen wichtigen – und nachweisbaren – Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg.

Weitere Fragmente

Es gibt sicher noch weitere interessante Fragemente, die diese Liste vervollständigen können. Welche neuen Erkenntnisse verstecken sich hier noch in der Welt, die hier angefügt werden sollten?

Ich freue mich über spannende Kommentare und Ergänzungen

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