So lernen wir wirklich

Werkzeuge und Praxis

So lernen wir wirklich

🗓 8. März 2015⏱ 8 Min. LesezeitBernd Wiest

Lernen: Was die Wissenschaft wirklich sagt

Wir alle lernen täglich – aber wie effektiv ist unser Lernen wirklich? Die Lernforschung zeigt, dass viele traditionelle Methoden weit weniger effektiv sind als angenommen. Wer versteht, wie das Gehirn Informationen aufnimmt und speichert, kann gezielter lernen und nachhaltigere Ergebnisse erzielen.

Unsplash / Pixabay

Aus Sicht eines normalen Lerners aus gesehen – also aus unserer ganz persönlichen Perspektive – gibt es nur zwei Arten des Lernens:

  1. Selbstgesteuertes Lernen: Ich eigne mir selbst etwas Neues an
  2. Kooperatives Lernen: Ich lerne mit und durch Andere

Das Gute ist: Lehrmeister kommen hier nicht vor. Lernen findet seit den Anfängen der Menschheit meist im realen Leben statt. Ich benötige also keinen Lehrer, ich kann mich selbst jederzeit weiterentwickeln – wenn ich das will oder wenn es nötig ist. Schon Konfuzius sagte dazu:

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Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.

Lernen ist hier niemals ein Selbstzweck, es geht meist darum, etwas können zu müssen oder zu wollen – die ist unsere Lernmotivation, der Grund, warum wir Lernen. Lernerfolg hängt fast immer damit zusammen, wie sehr wir etwas Können oder erreichen wollen. Je klarer wir wissen, warum die jeweiligen Lernschritte wichtig für uns sind und je konkreter wir sie als Priorität in unseren Tag einbauen, desto erfolgreicher werden wir das Gelernte anwenden können.

Der Nachteil des rein selbstgesteuerten Lernens liegt jedoch auf der Hand: Ich verfüge immer nur über meine eigene Perspektive, mein eigenes Denken, Interpretieren und Handeln und das muss nicht immer hilfreich sein für das Lernziel.

Diesen Nachteil kann ich durch den Austausch mit anderen Menschen ausgleichen. Durch Kommunikation mit anderen kann ich Wissensdefizite oder blinde Flecken in meinem Denken finden, ich kann Tipps und Tricks erhalten, wie ich schneller zum Ziel gelange oder auch erfolgreiche Mitmenschen nachahmen. Im Kooperativen Lernen werden gemeinsam mehr Lösungswege, mehr Hypothesen und mehr Ideen generiert. Lernen und Austausch helfen bei einem tieferen Verständnis.

Dennoch kommt in beiden Fällen Experten oder „Lehrende“ nicht zwingend vor. Sie sind aber eine Möglichkeit, persönlich eine Abkürzung zu nehmen, indem ich ein Vorbild nutze, um durch Nachahmen zu lernen oder im Dialog besser zu verstehen, worauf es ankommt. Die Rollenverteilung zwischen Lernenden und Lehrenden ist jedoch die eines Fragenden und eines Antwortgebers und weniger die Zwischen einem Hilfsbedürftigen und einem Wissens-Spender.

Praxis-Tipp

  • Setzen Sie Ihre persönlichen Lernziele immer selbst und überlegen Sie sich, wozu Sie den Lerninhalt benötigen und warum Ihnen das so wichtig ist.
  • Teilen Sie sich selbst die Lernziele in Zwischenschritte, kleine Etappen.
  • Nehmen Sie sich jeweils nur ein Lernziel vor, an dem Sie arbeiten – bis Sie es erreicht haben, dann kommt das nächste.
  • Nutzen Sie Ihr Umfeld für Fragen, Feedback, Tipps, Tricks und Hilfen. Lernen Sie einzelne Etappen gemeinsam mit  anderen und tauschen Sie sich aus.
  • Suchen Sie Coaches, Mentoren oder Trainer, das sind Menschen, die das, was Sie vorhaben bereits in einem ähnlichen Kontext erfolgreich umgesetzt haben.

Mehr im Artikel Formen des TeleLernens

Wie unser Gehirn Information verarbeitet

Das menschliche Gedächtnis funktioniert nicht wie ein Computer, der Daten einfach abspeichert. Informationen müssen aktiv verarbeitet, mit bestehendem Wissen verknüpft und in regelmäßigen Abständen abgerufen werden, damit sie langfristig im Gedächtnis bleiben. Passives Konsumieren von Inhalten – etwa stundenlanges Lesen ohne Unterbrechung – hinterlässt kaum nachhaltige Spuren.

Besonders effektiv sind Methoden, die das Gehirn aktiv fordern: Selbsttests, Erklärungen in eigenen Worten (Feynman-Technik), verteiltes Üben über mehrere Tage (Spaced Repetition) und das bewusste Abrufen von Wissen aus dem Gedächtnis (Retrieval Practice). Diese Techniken nutzen, wie unser Gehirn von Natur aus funktioniert.

Praktische Tipps für nachhaltigen Lernerfolg

Konkrete Methoden für besseres Lernen in der Praxis: Nutzen Sie Flashcards oder Apps wie Anki für Spaced Repetition. Erklären Sie das Gelernte einer anderen Person oder schreiben Sie es in eigenen Worten auf. Machen Sie regelmäßig kurze Pausen – das Gehirn konsolidiert Gelerntes besonders gut in Ruhephasen.

Schlafen ist dabei unverzichtbar: Im Schlaf verarbeitet das Gehirn die Eindrücke des Tages und überführt sie ins Langzeitgedächtnis. Wer vor Prüfungen die Nacht durcharbeitet, schadet dem eigenen Lernerfolg nachweislich. Ausreichend Schlaf ist die wirksamste Lernstrategie, die kaum Aufwand kostet.

Digitale Tools und ihre Rolle

Digitale Werkzeuge können das Lernen erheblich unterstützen – wenn sie richtig eingesetzt werden. Interaktive Formate, Quizze und Videoerklärungen bieten multimodale Zugänge zum Stoff. Entscheidend ist jedoch, dass diese Tools aktives Engagement fördern, nicht passives Konsumieren. Ein gut gestaltetes digitales Lernformat kann effektiver sein als ein stundenlanger Frontalvortrag.

Weiterführende Ressourcen: Interaktive Quizzes für besseres Lernen und Tipps für erfolgreiche Online-Kurse. Extern empfehlen wir: Spektrum der Wissenschaft: Lernen und Gedächtnis.

Die Rolle von Motivation und Emotion

Keine Methode der Welt hilft, wenn die Motivation fehlt. Intrinsische Motivation – also das echte Interesse am Thema – ist der stärkste Antrieb für nachhaltigen Wissenserwerb. Extrinsische Faktoren wie Noten oder Belohnungen können kurzfristig helfen, aber langfristig ist die innere Neugier entscheidend.

Emotionen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: Inhalte, die mit positiven oder überraschenden Erlebnissen verbunden sind, bleiben besser im Gedächtnis. Deshalb sind Geschichten, Beispiele aus der Praxis und persönliche Relevanz so wirkungsvoll – sie aktivieren emotionale Gedächtnisanker.

Soziales Lernen: Gemeinsam besser werden

Menschen sind soziale Wesen – das gilt auch für die Wissensaneignung. Der Austausch mit anderen, gemeinsame Projekte und gegenseitiges Erklären von Inhalten sind mächtige Verstärker für das Behalten von Wissen. In Lerngruppen werden Verständnislücken schneller sichtbar und durch unterschiedliche Perspektiven geschlossen.

Peer-to-Peer-Formate, Mentoring und kollaborative Arbeitsformen nutzen dieses Prinzip. In Unternehmen gewinnen Communities of Practice und informelle Netzwerke deshalb zunehmend an Bedeutung – als Ergänzung zu formalen Weiterbildungsprogrammen.

Selbstreflexion als Schlüssel zum Fortschritt

Wer regelmäßig reflektiert, was gut funktioniert und was nicht, optimiert seinen eigenen Prozess kontinuierlich. Ein Lerntagebuch, wöchentliche Reviews oder kurze Selbstbewertungen helfen, Muster zu erkennen und die eigene Strategie anzupassen. Diese Metakognition – das Nachdenken über das eigene Denken – ist eine der am stärksten unterschätzten Fähigkeiten in der Weiterbildung.

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